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Bodhicitta
ist eines der wichtigsten Konzepte
aus dem Mahāyāna-Buddhismus
und Vajrayāna.
Wörtlich besteht das Wort aus:
- Bodhi = Erwachen, Erleuchtung, volle Erkenntnis;
- citta = Geist, Herz, Gewissen, Absicht.
Daher bedeutet Bodhicitta den Geist (oder das Herz), der auf Erleuchtung ausgerichtet ist,
Aber seine Bedeutung ist viel tiefer.
Klassische Definition
Bodhicitta ist:
Aufrichtiger Wunsch und fester
Willeum volle Erleuchtung
zu erreichenzum Wohl aller Wesen.
Ich strebe nicht nur an, mich selbst zu befreien, sondern ein Buddha zu werden, damit ich allen Wesen helfen kann, sich von Leiden zu befreien.
Dies ist das Ideal des Bodhisattva.
Spirituelle Aspiration enthält das Ziel – nämlich Spiritualität.
Je intensiver es ist, desto mehr ist Spiritualität bereits bis zu einem gewissen Grad in uns gedämpft.
Zwei Ebenen des Bodhicitte
In der Mahāyāna-Tradition lassen sich zwei Aspekte unterscheiden.
1. Verwandte Bodhicitta (saṃvṛti-bodhicitta)
Es ist universelle Liebe, vereint mit Mitgefühl und selbstloser Absicht.
Sie besteht aus zwei Stufen:
- der Wunsch, ein Buddha zum Wohle aller zu werden;
- Konkretes Engagement, diesen Weg einzuschlagen.
Dies ist die Grundlage von Praktiken wie:
- Mitgefühl,
- Großzügigkeit,
- Geduld,
- Tonglen,
- Die sechs Pāramitā.
2. Ultimative Bodhicitta (paramārtha-bodhicitta)
Dies ist die direkte Verwirklichung der ultimativen Natur der Realität.
Es ist nicht mehr nur eine Absicht, sondern die Erfahrung, die:
- alle Phänomene sind frei von einer inhärenten Existenz;
- Es gibt kein getrenntes Selbst;
- Mitgefühl und Weisheit sind untrennbar.
In den Dzogchen- und Mahāmudrā-Traditionen kommt dies der Anerkennung der Natur des Geistes sehr nahe.
Die zwei Flügel
Im Mahāyāna heißt es, dass die Bodhicitta zwei Flügel hat:
- Weisheit (prajñā)
- Mitgefühl (Karuṇā)
Nur gemeinsam führen sie zur vollständigen Erleuchtung.
Mitgefühl ohne Weisheit kann zu Bindung werden.
Weisheit ohne Mitgefühl kann kalt und unvollständig werden.
Wie erscheint Bodhicitta?
Die Texte beschreiben einen Prozess ungefähr wie folgt:
- du beobachtest das Leiden aller Wesen;
- Empathie zeigt sich;
- Empathie wird zu Mitgefühl;
- Mitgefühl wird zur Verantwortung;
- Die Entscheidung scheint zu lautet:
“Ich werde Erleuchtung erlangen, damit ich allen Wesen helfen kann.”
Dies ist der Moment der Geburt des Bodhicitte.
Die beiden Formen
Śāntideva erklärt zwei Formen:
Bodhicitta der Aspiration
“Möge ich ein Buddha zum Wohl aller werden.”
Es wird mit dem Wunsch verglichen, eine Reise zu unternehmen.
Bodhicitta des Engagements
Die Person beginnt tatsächlich mit der Praxis.
Es ist ähnlich wie die Tatsache, dass Sie bereits auf der Straße begonnen haben.
In Vajrayāna
Im Vajrayāna heißt es:
“Ohne Bodhicitta wird Tantra zu einer bloßen Technik.”
Alle authentischen Initiationen erfordern die Existenz von Bodhicitta.
Sie reinigt die Motivation und verhindert, dass die Praxis für das Ego verwendet wird.
In Dzogchen
In Dzogchen ist die Perspektive noch tiefer.
Manchmal heißt es:
- Die Natur des Geistes ist bereits rein;
- Diese Natur ist untrennbar mit spontanem Mitgefühl verbunden.
Wenn also Rigpa anerkannt wird, entsteht echtes Mitgefühl ganz natürlich, ohne bewusste Anstrengung.
Es ist keine moralische Verpflichtung mehr, sondern der natürliche Ausdruck des verwirklichten Zustands.
Praktiken zur Entwicklung der Bodhicitta
Die bekanntesten sind:
- Meditation über die Gleichheit aller Wesen;
- sich mit anderen zu verändern;
- Tonglen-Übung;
- die sieben Ursachen und eine Wirkung (Atiśa zugeschrieben);
- die sechs Pāramitā;
- Die vier grenzenlose Einstellungen kultivieren:
- Liebe Grüße,
- Mitgefühl,
- Empathische Freude,
- Gleichmut.
Eine Definition in einem Satz
Eine traditionelle Formulierung lautet:
“Bodhicitta ist der Entschluss, volle Erleuchtung zu erreichen, um alle Wesen vom Leiden zu befreien.”
Aus einer kontemplativeren Perspektive lässt sich sie wie folgt ausdrücken:
Bodhicitta ist das Erwachen von Liebe und Weisheit in ein einziges Bewusstsein, sodass die eigene Erleuchtung nicht mehr ein individuelles Ziel ist, sondern der natürliche Ausdruck des Guten aller Wesen.
Acharya Leo Radutz


